Bayern-Spielerinnen feiern wichtigen Sieg in Wolfsburg
Bayern-Spielerinnen feiern wichtigen Sieg in Wolfsburg, pexels-pixabay/Foto illustrativ

Ein 3:1-Erfolg kann viel bewirken. Für Bayern München brachte der Sieg beim VfL Wolfsburg wichtige Ruhe nach der schweren 1:7-Niederlage gegen den FC Barcelona in der Champions League. Dennoch bleibt das Trauma aus Katalonien spürbar. Die Münchnerinnen fanden in der Bundesliga zum gewohnten Selbstvertrauen zurück, doch auf europäischer Ebene wartet noch ein langer Weg.

Inhaltsverzeichnis:

Giulia Gwinn und die Lehren aus Barcelona

Giulia Gwinn, 26, gilt als klare Stimme des deutschen Frauenfußballs. Nach dem deutlichen 1:7 gegen Barcelona benannte sie offen die Schwächen ihres Teams. Fehlende Körpersprache, verlorene Zweikämpfe und mangelnde Umsetzung der Grundlagen zählten zu den Punkten, die sie kritisch ansprach. Nur wenige Tage später zeigte Bayern München in Wolfsburg ein anderes Gesicht. „Wir wollten Präsenz zeigen und haben es getan“, erklärte sie nach dem Spiel.

Im Gegensatz zur Partie in Spanien stimmte diesmal die Einstellung. Das Team spielte aggressiver, konzentrierter und taktisch disziplinierter. Die Abwehr stand stabil, und der Angriff nutzte seine Chancen. Diese Reaktion war für die Mannschaft und den Trainer José Barcala entscheidend, der sichtlich erleichtert wirkte.

José Barcala und der Druck auf der Trainerbank

Trainer José Barcala bezeichnete den Sieg als Schlüsselmoment für das Selbstvertrauen der Mannschaft. Der Spanier weiß, dass die Erwartungen auf dem Bayern-Campus hoch sind. Die Meisterschaft gilt als Pflicht, international wird Erfolg gefordert. Das Spiel in Wolfsburg zeigte, dass die Mannschaft in schwierigen Phasen reagieren kann.

Sportdirektorin Bianca Rech sprach von schlaflosen Nächten nach der Niederlage in Barcelona. „Man sieht es an den Augenrändern“, sagte sie, und betonte gleichzeitig das Vertrauen in Team und Trainer. Ihre Botschaft war klar: Kein Zweifel an der Qualität des Kaders. Diese Loyalität wurde durch Leistung bestätigt. Das 3:1 beim größten Ligarivalen war nicht nur ein Sieg, sondern ein Zeichen.

Klara Bühl, Alara und die jungen Talente

Besonders auffällig war Nationalspielerin Klara Bühl. Sie erzielte das 1:0 in der 27. Minute und führte ihr Team mit großem Einsatz an. Ihr Kommentar nach dem Spiel war kurz, aber treffend: „Ein wildes Spiel, das wir gewonnen haben.“ Auch Giulia Gwinn überzeugte nach ihrer langen Reha mit einer starken Leistung über 90 Minuten. Sie wird voraussichtlich für die Nations-League-Halbfinals gegen Frankreich (24. und 28. Oktober) nominiert.

Beeindruckend war der Auftritt der jungen Generation. Franziska Kett (20) und Cora Zicai (20) spielten von Beginn an, die 18-jährige Alara setzte in der Nachspielzeit mit dem 3:1 (90.+5) den Schlusspunkt. Zuvor hatte Joelle Wedemeyer vom VfL wegen einer Notbremse Rot gesehen. Bundestrainer Christian Wück sah unter den 12.495 Zuschauern eine engagierte Leistung der Talente. Besonders Alara gilt als potenzielle Spielmacherin für das Duell mit Frankreich, da auf der Zehnerposition Nachholbedarf besteht.

Wolfsburg wächst trotz Niederlage

Trotz der Niederlage zeigte Wolfsburg eine starke Vorstellung. Der Verein, der nach großen Umstrukturierungen im Sommer angetreten war, präsentierte sich als geschlossene Einheit. VfL-Geschäftsführer Peter Christiansen lobte das Team um Trainer Stephan Lerch und Direktor Ralf Kellermann ausdrücklich. Seit dem 2:4 im Supercup gegen Bayern hat sich Wolfsburg deutlich stabilisiert.

Der Ausgleich durch Lineth Beerenstyn lag in der Luft, doch München nutzte seine Chancen besser. Wolfsburg erzielte das erste Gegentor für Bayern in dieser Bundesligasaison. Dabei half ein unglücklicher Befreiungsschlag von Arianna Caruso, der den Ball zu Janina Minge brachte. Ihr Schuss wurde entscheidend abgefälscht. Nur neun Minuten später stellte Momoko Tanikawa mit einem sehenswerten Treffer zum 2:1 den alten Abstand wieder her.

Wolfsburg darf dennoch optimistisch bleiben. In der Champions League gelang dem Vizemeister ein 4:0-Heimsieg gegen Paris Saint-Germain, was eine bessere Ausgangslage als die der Bayern bedeutet. Vor dem Auswärtsspiel bei Valerenga Oslo (Mittwoch, 18.45 Uhr) hat der VfL die Chance, seine gute Form international zu bestätigen.

Blick auf die kommenden Aufgaben

Für Bayern steht nun das Heimspiel gegen Juventus (Donnerstag, 21 Uhr) auf dem Programm. Trainer Barcala erwartet dort den nächsten Schritt im „Verarbeitungsprozess“. Der Klub will zeigen, dass die Lehren aus Barcelona Früchte tragen.

Wolfsburg dagegen konzentriert sich auf das internationale Geschäft. Trotz wirtschaftlicher Unterschiede zum FC Bayern scheint der sportliche Abstand kleiner geworden zu sein. Das Spitzenspiel in Wolfsburg war ein Beweis für die gestiegene Qualität der Liga und den Konkurrenzdruck an der Spitze.

Fakten in Kürze:

  1. Ergebnis: Bayern München – VfL Wolfsburg 3:1
  2. Zuschauer: 12.495
  3. Tore: Bühl (27.), Tanikawa (57.), Alara (90.+5)
  4. Rote Karte: Wedemeyer (90.+3)
  5. Nächste Spiele: Bayern – Juventus (17. Oktober), Wolfsburg – Valerenga Oslo (16. Oktober)

Der FC Bayern fand in der Liga zur Stärke zurück, doch die 1:7-Niederlage gegen Barcelona bleibt eine Mahnung. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Team die Balance zwischen nationaler Dominanz und internationaler Reife finden kann.

 Quelle: Süddeutsche Zeitung, YouTube