Warmes Wasser unterstützt laut TCM die Verdauung
Warmes Wasser unterstützt laut TCM die Verdauung, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Ein einfaches Glas warmes Wasser sorgt derzeit online für Aufmerksamkeit. Was viele als Trend entdecken, ist in Asien seit Jahrhunderten verbreitet. Die Traditionelle Chinesische Medizin nutzt es gezielt zur Unterstützung von Verdauung und Energiefluss. Auch westliche Mediziner ordnen die Wirkung ein. Mehrere Expertinnen erklären, was belegt ist und worauf zu achten ist. Warmes Wasser zu trinken ist ein bewährtes Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin, um die Verdauung und den Stoffwechsel zu unterstützen. Weiterführende Informationen zur TCM bietet das WHO Fact Sheet zu traditioneller Medizin. Ergänzende Beiträge rund um Ernährung und Wohlbefinden finden sich im Bereich Gesundheit.

Inhaltsverzeichnis

Pasu Harisadee und Traditionelle Chinesische Medizin

Nach Angaben von Pasu Harisadee, CMD und TCM-Dozentin bei RAKxa Integrative Wellness, gilt warmes Wasser als fester Bestandteil der täglichen Praxis. In der TCM unterstützt es das sogenannte Verdauungsfeuer und fördert den Fluss von Qi sowie Blut. Wärme wirkt gefäßerweiternd. Dadurch entspannen sich die glatten Muskeln im Magen-Darm-Trakt. Das kann die Aufnahme von Nährstoffen erleichtern.

Saher Hussaini, approbierte Akupunkteurin und Gründerin von Set Your Intention Acupuncture, beschreibt Magen und Milz als zentrale Organe der Verdauung. Sie betont, dass diese Wärme benötigen. Kaltes Wasser hingegen zwingt den Körper, Energie aufzuwenden, um den Mageninhalt zu erwärmen. Das kann laut TCM zu Blähungen oder träger Verdauung führen. Mehr zum Thema darmfreundliche Ernährung.

Zulia Frost und westliche Medizin

Auch aus schulmedizinischer Sicht gibt es Hinweise auf Effekte. Zulia Frost, MD, Mitgründerin und medizinische Leiterin von Recharge Health, erklärt, dass warmes Wasser das Nervensystem beeinflusst. Es sendet ein klares Signal an den parasympathischen Bereich, der für Ruhe und Verdauung zuständig ist. Dadurch kann sich der Magen-Darm-Trakt entspannen.

Die Studienlage zu direkten Stoffwechseleffekten ist begrenzt. Indirekte Effekte werden jedoch beobachtet. Dazu zählen:

  • Unterstützung der Darmbewegung
  • Reduktion von Blähungen
  • bewusstere Flüssigkeitsaufnahme
  • mögliche Verbesserung der Hydration

Viele Menschen trinken größere Mengen, wenn das Wasser nicht eiskalt ist. Das kann die tägliche Flüssigkeitszufuhr steigern.

Konkrete Vorteile für Darm und Kreislauf

Die beschriebenen Effekte betreffen mehrere Bereiche. Harisadee erklärt, dass Wärme dem Körper hilft, Flüssigkeiten effizienter zu verarbeiten. Frost ergänzt, dass warme Getränke die natürliche Darmbewegung fördern. Das kann die Ausscheidung erleichtern und leichte Bauchbeschwerden reduzieren.

Typische Anwendungsbereiche sind:

  1. Blähungen
  2. Druckgefühl im Bauch
  3. leichte Menstruationsbeschwerden
  4. morgendliche Trägheit

Zudem kann warmes Wasser laut TCM den Energiefluss im Bauchraum unterstützen. Das betrifft insbesondere die Phase zwischen 7 und 9 Uhr morgens. In dieser Zeit gilt die Magenenergie als aktiv.

Yin-Schwäche und mögliche Nachteile

Neben Vorteilen nennen Expertinnen auch Einschränkungen. Sehr heißes Wasser außerhalb der Mahlzeiten kann laut Zulia Frost die Produktion von Magensaft frühzeitig anregen. Bei empfindlichem Magen kann das Beschwerden auslösen.

Aus Sicht der TCM ist nicht jeder Organismus auf zusätzliche Wärme angewiesen. Bei Fieber oder innerer Hitze kann heißes Wasser diese verstärken. Harisadee beschreibt dies als zusätzliches Yang im System. Bei einer sogenannten Yin-Schwäche oder entzündlichen Prozessen sollte warmes Wasser daher mit Vorsicht eingesetzt werden. Weitere Hinweise zu Ernährung und Prävention finden Sie hier.

Für die Praxis empfehlen die Expertinnen folgende Punkte:

  • warm, nicht kochend heiß trinken
  • langsam in kleinen Schlucken aufnehmen
  • idealerweise morgens oder zwischen Mahlzeiten konsumieren
  • bei empfindlichem Magen pur verwenden

Optional können Zusätze genutzt werden:

Zusatz Zugeschriebene Wirkung laut TCM
Zitrone Unterstützung der Leber
Ingwer Stärkung des Immunsystems
Goji-Beeren Energiespendend
Kamille Ausgleich innerer Hitze

Die Anwendung bleibt individuell. Entscheidend ist die Temperatur und Regelmäßigkeit. Warmes Wasser wird sowohl in der TCM als auch von westlichen Medizinerinnen als unterstützende, einfache Maßnahme für Verdauung und Hydration beschrieben.

FAQ

Ist warmes Wasser morgens besonders empfehlenswert?

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt die Zeit zwischen 7 und 9 Uhr als Hochphase der Magenenergie. Ein Glas warmes Wasser direkt nach dem Aufstehen kann laut Pasu Harisadee das Verdauungssystem aktivieren und die Hydration erleichtern.

Welche Wirkung hat warmes Wasser auf die Verdauung?

Warmes Wasser kann die glatten Muskeln im Magen-Darm-Trakt entspannen und den Weitertransport der Nahrung unterstützen. Laut Zulia Frost sendet es zudem ein Signal an den parasympathischen Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Verdauung zuständig ist.

Ist kaltes Wasser für die Verdauung ungünstig?

Nach der Lehre der TCM muss der Körper kaltes Wasser zunächst erwärmen, bevor die Verdauung beginnen kann. Das kann Energie kosten und laut Saher Hussaini zu Blähungen oder träger Verdauung führen.

Gibt es Risiken beim Trinken von sehr heißem Wasser?

Sehr heißes Wasser kann außerhalb der Mahlzeiten die Magensaftproduktion frühzeitig anregen. Bei empfindlichem Magen oder innerer Hitze sollte daher Vorsicht gelten. Auch bei Yin-Schwäche oder entzündlichen Prozessen empfiehlt die TCM Zurückhaltung.

Kann warmes Wasser die Hydration verbessern?

Viele Menschen trinken größere Mengen, wenn das Wasser nicht eiskalt ist. Dadurch kann die tägliche Flüssigkeitszufuhr steigen, was die allgemeine Hydration unterstützt.

Quelle:  VOGUE GERMANY, SN2 WORLD